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NUMISMATISCHE GESELLSCHAFT
ZU BERLIN e.V., gegr. 1843

'Belehrung und Unterhaltung im Fache der Münzkunde ...'
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Hans-Dieter Dannenberg Ehrenmitglied der Numismatischen Gesellschaft

24. September 2015

In ihrer Sitzung am 24. September 2015 hat die Numismatische Gesellschaft ihrem Mitglied Dr. habil. Hans Dieter Dannenberg wegen seiner Verdienste um die brandenburgische Numismatik die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Urkunde und Ehrenmedaille wurden dem neuen Ehrenmitglied vom Ersten Vorsitzenden Michael Gnatzy überreicht. Die Laudatio hielt der emeritierte Direktor des Münzkabinetts Prof. Dr. Bernd Kluge.

Hochgeschätztes Ehrenmitglied, lieber Dieter,

die Numismatische Gesellschaft zu Berlin geht sparsam mit ihren Ehrenmitgliedschaften um. Man muss schon etwas geleistet haben, um zu dieser Ehre aufzusteigen. Insofern bezeugt schon diese heutige Verleihung, dass Du etwas geleistet hast und jeder hier im Raum hat das in der einen oder anderen Form, sei es durch Publikationen, sei es durch Vorträge oder im persönlichen Gespräch erfahren. Es ist daher vielleicht an dieser Stelle das berühmte Eulentragen nach Athen, wenn ich das nun auch noch tue. Aber es muss sein, keine Ehrenmitgliedschaft ohne eine Laudatio. Und da wir beide nun seit 30 Jahren nicht nur numismatisch miteinander zu tun haben, darf ich dies vielleicht mit einem gewissen Recht für mich in Anspruch nehmen. Noch mehr aber ist es mir Freude und Verpflichtung.
Wer Dannenberg heißt und sich auf die Numismatik einlässt, muss wissen, dass man viel von ihm erwartet. Nomen Omen est – darf man in diesem Falle wohl sagen. Hermann Dannenberg, Dein großer Namensvetter und 1843 Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender unserer Gesellschaft, wurde am Ende zum Ehrenvorsitzenden gekürt. Nun stellen wir Dich ihm als Ehrenmitglied an die Seite.
Als wir 1987 – lang ist‘s her – im Münzkabinett den ersten Band der Berliner Numismatischen Forschungen herausbrachten, gratulierte mir aus Hamburg – damals Bundesrepublik und offiziell Ausland - der bekannte Numismatiker Gert Hatz (heute ebenfalls Ehrenmitglied unserer Gesellschaft) zu diesem Band und schrieb in seinem Brief: „Sogar einen Dannenberg habt ihr jetzt wieder in Berlin“ und wollte natürlich wissen, ob da irgendeine Verwandtschaft bestünde. Sie besteht nicht, und Du bist nicht erblich vorbelastet, sondern aus eigenem Antrieb und sogar erst ziemlich spät zur Numismatik gekommen. Hermann Dannenberg hat als 24-jähriger literarisch debütiert, Du warst bei Deinem Debut immerhin schon ein Mittfünfziger. Ein Spätberufener könnte man sagen und – wenn wir jetzt mal ein bißchen dicke auftragen – Dich mit Theodor Fontane vergleichen, der seine Romane alle auch deutlich jenseits der Fünfzig geschrieben hat. Fontane hat sich aber als Schriftsteller sein ganzes Leben eingeübt, Du hast von der Numismatik überhaupt erst jenseits der Fünfzig das erste Mal gehört. Umso erstaunlicher ist, was danach kam.
Nochmals drängt sich dabei der Vergleich mit Dannenberg senior auf. Das Thema des literarischen Debuts war bei Euch beiden gleich: es ging um Münzfunde. Und das Thema der Münzfunde zieht sich bei beiden Dannenbergs durch das ganze Leben. So wie Hermann sein großes Werk über die deutschen Münzen des 10. und 11. Jahrhunderts auf die Münzfunde gebaut hat, genauso hat Dieter sein Werk über die brandenburgischen Denare des 13. und 14. Jahrhunderts auf eine Neuinterpretation der Münzfunde gegründet. Sie hat ihn zu neuen Datierungen und einem neuen Münzstättenkonzept gebracht, mit dem er so etwas wie Majestätsbeleidigung beging. Er stellte sich damit der großen Autorität des numismatischen Dominators von Brandenburg und ebenfalls langjährigen Vorsitzenden unserer Gesellschaft, dem großen Emil Bahrfeldt, entgegen.
Man muss schon ein mutiger Ritter und gut behelmt sein, um gegen den dominierenden Landesherrn aufzubegehren. Der Ritter Hans-Dieter hat dies getan, ohne es dabei am schuldigen Respekt für den Patriarchen fehlen zu lassen. Auch dies eine anerkennenswerte und nicht alltägliche Haltung. Was wir sind, sind wir nur durch die Leistung der Altvorderen. Wenn wir weiter sehen können als sie, dann eben deshalb, weil wir auf ihren Schultern stehen. Dieses Wissen und diese Haltung hat Ritter Hans-Dieter vom Brauhausberg immer bewiesen und geübt.
Manchmal war er allzu kühn in seinen Manövern und musste gelegentlich auch den Rückzug antreten, und manchmal hat er Verrat gewittert, wo doch nur Rat gemeint war. Aber kühne Ritter sind nun mal so: Hic Rhodos – hic salta, Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Damit muss dann die Gefolgschaft schon mal klarkommen.
Es würde jetzt langweilig werden, die Groß- und Kleintaten unseres neuen Ritters der numismatischen Ehrenlegion aufzuzählen. Lassen wir es mit der Erinnerung an seine beiden Bücher zu den brandenburgischen Denaren und den Denaren der brandenburgischen Nachbarn von 1997 und 2000 und seiner detaillierten Bearbeitung des Brakteatenfundes von Pfaffendorf-Lamitsch 2001, dessen Inhalt er durch die von ihm hartnäckig durchgesetzte Nachgrabung nicht unwesentlich erweitert hat, bewenden. Die beiden Bücher hat unsere Gesellschaft verlegt. Darauf können wir stolz sein. Dass sie sich als Referenzwerke besonders im Münzhandel erst allmählich gegen den noch immer übermächtigen Bahrfeldt durchsetzen, hat den Autor gelegentlich zornig werden lassen – aber gut Ding braucht Weile und nichts ist langlebiger als die bequemen Vorurteile.
Wir wünschen dem neuen Ritter unserer Ehrenlegion, der die Numismatik selbst gern als seine wichtigste Lebenshilfe und seinen Jungbrunnen bezeichnet, dass ihm dieser Jungbrunnen noch lange Wasser spendet für seinen Ritt über die trockene brandenburgische Münzlandschaft, dass er sie mit diesem Wasser für uns fruchtbar macht und sich selber noch möglichst lange an ihr erfreuen kann. Die Nähe zu seinem in der nächsten Woche zu feiernden 85. Geburtstag ist zwar nicht zu leugnender Anlass, aber keineswegs Ursache für die heutige Auszeichnung. Er verdankt sie nicht seinem Alter, sondern seinem erfolgreichen und nimmermüden Schaffen zum Wohle der Numismatik. Dafür danken wir ihm und wollen ihn heute hochleben lassen. Unser Ehrenmitglied, der Ritter Hans-Dieter vom Brauhausberg – er lebe hoch, hoch, hoch.

Gelungene Visualisierung unseres Münzbestandes durch studentisches Projekt an der Universität Potsdam

20. September 2017

Den spielerischen Umgang mit rund 26.000 Münzen unseres Bestandes ermöglicht ein studentisches Projekt an der Universität Postdam. Im Rahmen des übergreifenden Forschungsthemas 'Visualisierung kultureller Sammlungen' haben unter Leitung von Prof. Marian Dörk die Studierenden Daniela Guhlmann, Flavio Gortana und Franziska von Tenspolde eine intuitiv nutzbare Anwendung auf der Basis eines Datenexportes seitens des Münzkabinetts vom Herbst 2016 entwickelt. Entdecken Sie einen anderen, neuen Blick auf unsere Münzen und ordnen Sie den großen Münzhaufen nach Ihren Vorstellungen.

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